Geschichte der Swing Tänze

Swing ist weit mehr als nur ein Tanz. Er ist ein Stück Kulturgeschichte, ein Ausdruck von Freiheit und Lebensfreude – und die Grundlage dessen, was Saint Savoy bis heute inspiriert.

Alles begann in Harlem

Ende der 1920er Jahre entstand in Harlem, New York, etwas völlig Neues. Aus den musikalischen Traditionen afroamerikanischer Communities entwickelte sich gemeinsam mit Jazzmusik der Swing – eine Musik voller Energie, Improvisation und Lebensfreude.

Die Wurzeln reichen tief in afrikanische Rhythmik, Blues, Spirituals und Jazz hinein. Gleichzeitig verschmolzen sie mit europäischen Instrumenten und Orchestertraditionen. Aus dieser außergewöhnlichen Begegnung zweier Kulturen entstand nicht nur ein neuer Musikstil, sondern eine völlig neue Art, sich zu bewegen.

Viele Elemente unserer heutigen populären Musik – von Jazz über Rock’n’Roll bis hin zu Pop – wären ohne diese Entwicklung kaum denkbar.

The Savoy Ballroom

Der Savoy Ballroom – ein Ort, der Geschichte schrieb

Mitten im Herzen Harlems eröffnete 1926 der Savoy Ballroom.

Während viele Tanzlokale der damaligen Zeit aufgrund der Rassentrennung Schwarze Gäste ausschlossen oder strikt getrennte Bereiche führten, war der Savoy eine Ausnahme. Hier tanzten Menschen unterschiedlichster Herkunft, Hautfarbe und sozialer Schichten gemeinsam – etwas Revolutionäres für diese Zeit.

Auf seiner riesigen Tanzfläche begegneten sich Musiker und Tänzer Abend für Abend. Sie experimentierten, forderten sich gegenseitig heraus und entwickelten gemeinsam immer neue Ideen. Big Bands wie Chick Webb, Count Basie, Duke Ellington oder Benny Goodman lieferten sich legendäre musikalische Duelle, während Tänzer wie George „Shorty“ Snowden, Dawn Hampton, Leon James, Frankie Manning und viele andere den Lindy Hop immer weiterentwickelten.

Musik inspirierte Bewegung. Bewegung inspirierte Musik.

Genau diese kreative Energie machte den Savoy Ballroom zu einem der bedeutendsten Orte der Musik- und Tanzgeschichte.

Die Geburt des Lindy Hop

Aus Charleston, Breakaway, Foxtrott, Tap Dance und improvisierten afroamerikanischen Tanzformen entwickelte sich Anfang der 1930er Jahre der Tanz, den wir heute als Lindy Hop kennen.

Der Legende nach erhielt er seinen Namen nach Charles Lindberghs Atlantikflug von 1927. Als ein Reporter George „Shorty“ Snowden fragte, welchen Tanz er gerade tanze, antwortete dieser spontan:

Lindy Hop.“

Ob die Geschichte genau so passiert ist, weiß heute niemand mehr. Der Name blieb jedoch – und mit ihm einer der fröhlichsten und kreativsten Paartänze der Welt.

Mit dem Radio verbreitete sich Swingmusik rasch über die USA und später über den gesamten Globus. Aus Lindy Hop entwickelten sich unter anderem Jitterbug, Boogie Woogie, Rock’n’Roll und später auch der West Coast Swing.

Swing in Europa

Entartete Musik

Auch Europa verliebte sich schnell in den neuen Sound.

Bereits Ende der 1920er Jahre entstand in Frankreich der Manouche Jazz, geprägt unter anderem durch den legendären Django Reinhardt.

Während des Nationalsozialismus galt Swing in Deutschland und Österreich als „entartete Musik“. Trotzdem ließ sich eine junge Generation ihre Begeisterung nicht nehmen. Die sogenannte Swing-Jugend traf sich heimlich zum Musikhören, Tanzen und Feiern.

Mit langen Mänteln, karierten Jackets, englischen Ausdrücken und einer weltoffenen Haltung wurde Swing für viele junge Menschen zu einem stillen Symbol von Freiheit. Viele wurden dafür verfolgt – manche sogar verhaftet oder in Konzentrationslager gebracht.

Gerade deshalb erinnert Swing heute nicht nur an großartige Musik und Tanz, sondern auch daran, wie wichtig kulturelle Vielfalt, Offenheit und Freiheit sind.

Warum Saint Savoy?

Unser Name Saint Savoy ist eine Hommage an den legendären Savoy Ballroom in Harlem.

Dort entstand eine Kultur, die bis heute Menschen auf der ganzen Welt verbindet. Ein Ort, an dem afroamerikanische Kreativität und europäische Einflüsse etwas völlig Neues hervorbrachten – Musik und Tänze, die Generationen bis heute begeistern.

Mit unserem Namen möchten wir nicht nur diesen besonderen Ort ehren.

Wir möchten auch daran erinnern, welchen Menschen wir diese Musik, diese Tänze und diese Lebensfreude zu verdanken haben. Viele von ihnen schufen Großes unter schwierigen gesellschaftlichen Bedingungen und trotz Ausgrenzung und Diskriminierung.

Dass wir heute unbeschwert gemeinsam tanzen, lachen und feiern dürfen, ist auch ihr Vermächtnis.

Swing heute

Was einst in Harlem begann, ist heute eine weltweite Bewegung.

Von Wien über London bis Tokio, Seoul, Melbourne oder Buenos Aires treffen sich jeden Abend Menschen zum Lindy Hop, Balboa, Charleston, Solo Jazz, Blues, Shag, Boogie Woogie, Rock’n’Roll und vielen weiteren Swingtänzen.

Ob auf einem internationalen Festival mit Tausenden Tänzern oder einer kleinen Social Dance Party – überall verbindet Swing Menschen, die dieselbe Leidenschaft teilen:

  • Großartige Musik.
  • Freude an Bewegung.
  • Eleganz.
  • Improvisation.

Und das wunderbare Gefühl, dass zwei Menschen für ein paar Minuten dieselbe Sprache sprechen können – ganz ohne Worte.

Zitat:

“We fought a war with music and dance, and that’s what opened the doors.” Norma Miller